Lob des Schattens

"Ein Labyrinth aus Schläuchen"

Kölner Künstler schicken das Publikum auf eine interessante Reise
 
Kölner Stadt-Anzeiger, Tuesday, September 15, 1998, Kultur.
 
Die Holographie-Instalation von Rainer Plum im ersten Segment der Deutzer Brücke überwältigt durch ihre Effekte. Grün bis blau phosphoreszierende Lichtstäbe bewegen sich in rasantem Tempo über die dunklen Wände und lösen die Festigkeit des Raumes auf während seine Konturen klar bleiben. Wer hier seine Reise beginnt, läuft mal mit dem grellen Strom, mal scheint er sich ihm entgegenstemmen zu müssen.
      Weiter geht es zu den gelblich schimmernden "Wachsschichtungen" von Christel Dillbohner, die nach Bienen und Honig duften. Ulrike Kaisers Ideen für das Kunstprojekt gingen von Konstruktionslöchern in der Brücke aus, die sie zur Camera obscura machte, indem sie an den entsprechenden Stellen Reflexfolie angebracht hat. Schemenhaft zu erkennen sind Bilder des Rheins und der Severinsbrücke mit Straßenbahnen und fahrenden Autos: Als nächstes versperrt eine Hängebrücke von Deva Wolfram den Weg. Menschen, von denen man nur die Beine als schwarze Zeichnung sehen kann, wandern darüber. Und mit ihnen mit läuft eine Unmasse kleiner Käfer, Würmer und sonstiges Getier, die erst durch die Ausstrahlung der künstlichen Brücke mit UV-Licht sichtbar werden.
      Inge Kamps markiert den Bereich zwischen zwei Raumsegmenten. Sie benutzt eine der in Mulden stehenden Zwischenwände zusammen mit der im Türdurchgang sichtbar werdenden ansteigenden Bodenfläche als Projektionsfläche. Die fünf Sequerizen ihres Videos, die alle auf Wasser- und Erdaufnahmen basieren, handeln von der inneren Bewegung.
      Der kalten Sterilität im Innern der Brücke wirkt Lothar Schmitz mit einem Labyrinth aus Plastikschläuchen, die mit roter Flüssigkeit gefüllt sind, entgegen. Das Interesse des Künstlers liegt bei der Alchimie, der Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft, so daß er auch den Brückenkörper als Körper begreifen mußte. Hier scheint man an Herz und an Adern des kalten Kolosses gelangt zu sein. Schließlich ist Deutz erreicht.
      Eine Holographie von Brigitte Burgmer beendet den Weg. Die Zeichnungen, die sich vor die farbige Lichtprojektion legen, verweisen auf die Geschichte des Ortes. Der Grundriß des castrum divium ist sichtbar, ebenfalls die zu ihm hinführende römische Brücke. Weitere Bildelementezeigen: im Rechtsrheinischen saßen die Barbaren, während man sich in der römischen Colonia in Sicherheit fühlen konnte. Der Weg führt also zurück.

(BE)
Deutzer Brücke, Eingang Markmannsgasse, bis zum 20 September.

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eMail © Christel Dillbohner
page written 13.11.2001, last edit 20:36 2.1.2014, Donnerstag